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Sie hatten sich nichts geschenkt. Nach dem Tod ihrer Eltern waren die beiden Brüder völlig aneinander geraten. Funkstille und eisiges Schweigen herrschte fortan. Wie so oft ging es um das Erbe und natürlich darum, wer den besseren Teil abkriegte.

Alte Muster kamen an die Oberfläche: „Der war schon immer der Bevorzugte, ich hatte immer das Nachsehen“. Auch wenn beide sich aus dem Weg gingen, blieb der  Andere in Gedanken trotzdem gegenwärtig. Eigentlich müsste man einen Schlussstrich ziehen, waren sich beide im Stillen bewusst. Dieser schwelende Konflikt raubte jedem unglaublich viel Energie. Aber – wie anfangen mit dem Aufhören? Bereits im Kleinen merken wir es schmerzhaft, wenn der Friede fehlt. Erst recht natürlich im Großen. Vor 100 Jahren endete der erste Weltkrieg. Kaum zwanzig Jahre später ging erneut von deutschem Boden der zweite Weltkrieg aus. Ein Flächenbrand, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen. Jedes Mal drehte sich eine Spirale, die sich in Gewalt und Töten zu übertreffen versuchte. Die vermeintlich eigene Stärke blindwütend eskalieren zu lassen scheint für uns Menschen immer der einfachere aber gerade deshalb teuflische Weg zu sein, wenn wir unbelehrbar auf Stärke und Waffengewalt vertrauen. Das Ziel dieser Spirale heißt: den Anderen unterwerfen. Wieviel schwieriger ist da der Weg der Jahreslosung: „Suche Frieden und jage ihm nach“. Friede in der Bibel ist mehr als Waffenstillstand. Er ist dort erreicht, wo ehrliche Versöhnung auf Augenhöhe geschieht. Solcher Friede ist nicht einfach nur da. Er will aktiv gesucht werden. Flüchtig scheint er sogar zu sein; es gilt ihn beherzt zu suchen: in Verhandlungen, in errungenen Vertragstexten, in geduldigen Gesprächen, in hoffnungsvollem Gebet. Friede ist nicht einfach ein Besitz, auf dem wir uns ausruhen können. Immer aufs Neue gilt es ihm nachzujagen als wäre er ein scheuer Vogel. In festgefahrenen Konflikten spricht sonst nur die vorschnelle Sprache der Gewalt. Aber ist solch ein Friede zu erreichen? Ja, denn er ist ja bereits Wirklichkeit. Gott selbst hat den ersten Schritt zum Frieden gemacht. „Christus ist unser Friede“, heißt es im Epheserbrief. Er hat durch Christus zuerst einen Friedensraum gebaut. Diesen Raum zu betreten, sich seinen Frieden schenken zu lassen – das ermöglicht auch uns erste Schritte, den Frieden zu riskieren. Also: uns zu bewegen um Frieden zu gestalten. Irgendwann konnten die beiden verfeindeten Brüder sich dieses gegenseitig auch eingestehen. Und ein langes Gespräch, ein erlösendes Wort folgte. Friede – zu ihm gibt es keine Alternative!

Peter-Thomas Stuberg, Superintendent

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